Freitag, 15. Juli 2011

Sonnenfärben mit Rotholz

Angeregt durch die Ergebnisse einiger experimentierfreudiger Sonnenfärberinnen wollte auch ich mich darin versuchen. Sonnenfärben funktioniert demnach ganz einfach: Das Färbegut zusammen mit Wasser, Alaun und der Färbedroge in ein Glas, Deckel drauf und für eine Woche in die Sonne stellen.

Als Färbedroge hatte ich mir Rotholz pur, sowie mit Gelbholz und Birkenblättern erkoren: Alles ab in die Gläser, das Ganze sah dann am letzten Samstag so aus:


Links Rotholz pur mit Wolle im Kammzug, in der Mitte gesponnene Wolle mit Rot- und Gelbholz gemischt und rechts wieder Wolle im Kammzug mit Rotholz unten und Birkenblättern oben.

Das Erste, was man beim Färben mit Pflanzen lernt ist, daß man nie eine bestimmte Erwartung an die endgültige Farbe haben darf - man soll für alle Ergebnisse offen sein. Das war ich natürlich. Trotzdem stellt man im Voraus ja so seine Vermutungen an, wie die Färbung am Schluß sein könnte... Bei Rotholz - klar, das würde irgend einen Rotton ergeben. Rot und Gelb gemischt, das weiß man, gibt Orange. Also würde im zweiten Glas wohl ein Orangeton zu erwarten sein. Und bei dem brav geordneten Rotholz-Birkenblätter-Gemisch dachte ich, daß am Schluß ein Farbverlauf entstehen könnte.

Weit gefehlt! Während die Birkenblätter noch untätig vor sich hin dösten, übernahm das Rotholz ruckzuck von unten her die Herrschaft über das Glas. Ein Farbverlauf war also nicht mehr zu erwarten. Vielleicht hätte ich die Birkenblätter vorher doch auskochen sollen zwecks besserer Farbabgabe? Und wirklich orange sah es in dem Rot-Gelbholzglas übrigens auch nicht aus. Gegen das Rotholz kamen die anderen Färbedrogen einfach nicht an.

Gestern ergab ein Blick auf die Gläser folgendes Bild:



Da wechselhaftes Wetter mit wenig Sonnenschein vorhergesagt wurde, holte ich die Wolle ganz gespannt aus den Gläsern, wusch sie und ließ sie trocknen. Zugegeben: Mit meinen Mutmaßungen bezüglich der Gelb-Anteile lag ich völlig daneben, aber ich habe trotzdem schöne Färbungen erhalten. Und ein kleiner Farbunterschied zu der puren Rotholzfärbung läßt sich erkennen: Die irgendwo doch vorhandenen Gelbanteile gaben der Wolle den Farbton, der momentan schwer angesagt ist, nämlich koralle.

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