Montag, 25. Juni 2012

Grausel-Stoff goes Kräusel

Ich habe tatsächlich damit begonnen, das Kleid herzustellen! Das Schnittmuster des "1830s Full High Gown" von Past Pattern soll unterstützend dabei mithelfen, mich den 1828ern anzunähern.

Kurzzeitig bekam ich etwas Angst vor meinem Stoff. Ganz ehrlich: Man muß sich schon sehr in die damalige Zeit rein versetzen, um den Stoff gut zu finden. Mir gelingt es auch nicht immer an allen Tagen ;-)  Zumindest haderte ich beim Herstellen des Oberteiles mit dem Stoff. Dieses Muster schien mir alles zu erschlagen. Es schien zu hässlich und zu groß und zu braun und irgendwie... zu viel. Um zu verhindern, daß das Kleid zu überladen wirkt, wollte ich es deshalb möglichst einfach halten. Entgegen der Vorgabe des Schnittmusters entschied ich mich, das Oberteil ungerafft zu nähen. Das war das Ergebnis:



Schrecklich. Die braunen Ornamente waren noch dominanter als befürchtet. Irgend etwas lief schief - aber was?

Wenn es etwas gab, wovor die Frauen zu jener Zeit keinen Respekt hatten, dann waren das offenbar schräge Muster auf den Kleiderstoffen. Unsere Altvorderen waren ziemlich unerschrocken wenn es darum ging, grausligst gemusterte Stoffe mit allem möglichen Schnickschnack wie Rüschen, Biesen, Paspeln, etc. zu mixen. Nix mit vornehmer Zurückhaltung! The more, the better.

Immer noch skeptisch entschied mich dafür, das Vorderteil nochmal nach Schnittmuster zuzuschneiden. Die gekräuselten Schultern mochte ich dann aber doch nicht und so blieb es bei einer gekräuselten Bauch-Partie:


Puh! Viel besser! Was war ich erleichtert! Offenbar war genau das damals der Trick um wilde Muster etwas zu entschärfen. Hätte ich mal besser gleich auf Past Patterns gehört. Ich bin nun übrigens auch wieder etwas besser auf den Stoff zu sprechen. Ist er nicht toll? ;-)

Kommentare:

  1. Ich find der Stoff passt wunderbar und ein richtiges Bild bekommt man ja ohnehin erst, wenn alle Teile zusammengefügt sind...und dann kommt fast immer der große "Wow -Effekt"!
    Als ich die Ärmel zu meinem 1820er Jahre Kleid zusammengenäht hatte, dachte ich auch nur "???", um dann in prustendes Gelächter auszubrechen. Ehrlich: so viel Kichern und lauthals Lachen wie bei meinem 1820er Projekt hatte ich noch nie.
    Und dennoch ist ja gerade das der interessante Aspekt, sich über den heutigen Geschmack hinwegzusetzen und tatsächlich mal mit den Augen der Trägerinnen von damals zu schauen.
    Ich freu mich schon soooooo sehr auf Dein fertiges Kleid aus den "Bonbonjahren" und hoffe, Du sparst nicht mit Paspeln und vielen Details!!!

    Sabine

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  2. Vielleicht bin ich ja komisch, aber ich finde den Stoff großartig. Das Muster ist nunmal ein wichtiger Aspekt bei historischer Kleidung, und ich finde es toll, daß du dir da - im Gegensatz zu vielen anderen - Gedanken drum machst. :)

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  3. Liebe Sabine, liebe Ala,

    keine Sorge, ich sehe das genau so wie ihr. Mir gefällt der Stoff im Grunde ja - sonst hätte ich ihn nicht gekauft ;-). Er passt einfach wunderbar zum Projekt! Es war nur eine klitzekleine Phase der Unsicherheit, die schon überwunden ist - aber das ist eben die Herausforderung bei dieser Epoche und das macht die Sache spannend :-) .

    Ganz liebe Grüße
    Emily

    P.S. "Bonbonjahre" ist eine klasse Wortschöpfung und passend noch dazu, Sabine!

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