Freitag, 7. März 2014

Das Geheimnis selbst verarbeiteter Rohwolle

Vor gut zweieinhalb Jahren wagte ich das Experiment, Wolle direkt vom Schaf zu verarbeiten, was ich hier bereits berichtete. Fotos vor und nach dem Kardieren gab es hier zu sehen. Seither lagerten die Fasern und warteten fast vergessen auf ihre Verarbeitung.

Während der letzten Monate ergaben sich einige Spinn-Einsätze für unser Freilichtmuseum, sei es beim Weihnachtsmarkt oder zwecks Werbung für dasselbe als Hingucker bei einer Tourismus-Messe (wer schon vor Publikum gesponnen hat, weiß, dass die Leute gerne stehen bleiben und zu sehen). Mich plagten anfangs einige Zweifel, ob meine Finger das so einfach weg stecken würden - immerhin würde ich nach langer Abstinenz gleich mehrere Stunden am Stück vor mich hin spinnen. Könnte sein, dass die Finger wund werden. Außerdem neigten sich die Vorräte der naturfarbene Kammzüge, die ich bis dahin für diese Zwecke verwendete, dem Ende zu. Da erinnerte ich mich an die Wolle des Coburger Fuchs-Schafes.


Ein Glücksgriff! Durch die selbst durchgeführte Vorbereitung der Fasern befand sich darin noch genügend Wollfett, welches die Finger beim Spinnen geschmeidig hielt. Kein Vergleich zu gekauften, industriell vorbereiteten Kammzügen oder Vliesen, die sich trocken anfühlen. Mit dieser Wolle war das Spinnen selbst nach Stunden noch angenehm!

DAS ist also das Geheimnis der direkt vom Schaf verarbeiteten Wolle, das viele Spinnerinnen dazu veranlasst, sich der Mühe des vielen Waschens zu stellen und die Wolle manchmal sogar selbst zu kardieren. Eine Arbeit, die sich lohnt, wenn man am Ende so wunderbar zu verabeitende Fasern erhält! Welch Erkenntnis! Das Wollfett macht´s! Trotz einer gewissen Planlosigkeit beim Waschen schaffte ich es offenbar, genau die richtige Menge an Fett in der Wolle zu erhalten. Nicht zu viel und nicht zu wenig - für mich hat meine Wolle genau den richtigen Lanolin-Anteil. Klasse!


Stellt ihr Euch auch die Frage, welche mir so viele Besucher stellten? Was soll denn am Schluss eigentlich daraus werden? Tja, wenn ich das nur mal wüsste. Die versponnene Wolle fühlt sich eher kratzig denn kuschelig an. Bei meinen unregelmäßigen Spinnerei-Anfällen kann es dauern, bis der Vorrat endgültig verarbeitet ist, ich habe noch nicht die Hälfte der vorhandenen Fasern versponnen. Es ist also noch genügend Zeit, sich Gedanken über ein mögliches Endprodukt zu machen.

1 Kommentar:

  1. Wunderbar, Emily!
    Ich finde die praktische Arbeit mit althergebrachten Traditionen einfach unersetzlich - toll, dass Du auf diese Art ein Geheimnis entschlüssen konntest und dass die Natur selbst für stundenlanges Spinnen (hihi) eine Lösung parat hält!

    Die Wolle sieht wirklich sehr schön aus und beizeiten wird Dir schon einfallen wozu Du sie verwenden kannst :)

    Sabine

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